UM­WELT­RECHT

ÖF­FENT­LI­CHES RECHT

Ob es um das Klima geht, um den Was­ser­haus­halt, um ge­schütz­te Tier- und Pflan­zen­ar­ten oder die freie Land­schaft – zahl­lo­se mensch­li­che Ak­ti­vi­tä­ten be­rüh­ren und be­ein­träch­ti­gen die na­tür­li­che Um­welt. Dem Um­welt­recht kommt daher eine er­heb­li­che und be­stän­dig stei­gen­de Be­deu­tung zu. In­zwi­schen gibt es kaum ein Vor­ha­ben, bei dem nicht gleich eine Viel­zahl um­welt­recht­li­cher Vor­schrif­ten zu be­ach­ten ist. So stel­len sich etwa schon bei klei­nen Bau­vor­ha­ben, wie etwa Ein­fa­mi­li­en­häu­sern, viel­fach Fra­gen der Durch­füh­rung na­tur­schutz­recht­li­cher Er­satz- und Aus­gleichs­maß­nah­men oder der was­ser­recht­li­chen Zu­läs­sig­keit einer Baud­rai­na­ge. Erst recht stel­len sich um­welt­recht­li­che Fra­gen fast in jedem Pla­nungs­ver­fah­ren. So er­for­dern zahl­rei­che Be­bau­ungs­plan­ver­fah­ren über die re­gu­lä­re Um­welt­prü­fung hin­aus die Durch­füh­rung einer so­ge­nann­ten Ver­träg­lich­keits­prü­fung im Rah­men des Eu­ro­päi­schen Na­tur­schutz­sys­tems NA­TU­RA 2000 (Flora-Fauna-Ha­bi­tat- und Vo­gel­schutz-Richt­li­nie). In Fach­pla­nungs­ver­fah­ren für öf­fent­li­che und pri­va­te Groß­pro­jek­te gilt dies erst recht.

Dabei er­gibt sich die be­son­de­re Be­deu­tung des Um­welt­rechts ge­ra­de auch dar­aus, dass das EU-Recht auch Per­so­nen, deren Rech­te durch eine Pla­nung oder ein Vor­ha­ben nicht un­mit­tel­bar ver­letzt wer­den, sowie Um­welt­ver­bän­den die Be­fug­nis ein­räumt, die Ver­let­zung um­welt­recht­li­cher Vor­schrif­ten vor Ge­richt gel­tend zu ma­chen. Des­halb gehen mit dem Um­welt­recht ei­ner­seits aus­ge­präg­te Pro­zess­ri­si­ken, an­de­rer­seits be­son­de­re An­satz­punk­te für ein Vor­ge­hen gegen eine ganze Reihe von Vor­ha­ben ein­her.

Es ist des­halb un­er­läss­lich, bei jeg­li­chen Vor­ha­ben mit Bezug zur Um­welt ei­ner­seits die in­halt­li­chen An­for­de­run­gen des Um­welt­rechts, an­de­rer­seits die ver­schie­de­nen Pflich­ten zur vor­he­ri­gen Prü­fung der Um­welt­ver­träg­lich­keit und das sons­ti­ge um­welt­be­zo­ge­ne Ver­fah­rens­recht im Blick zu haben. Diese Rechts­ma­te­ri­en sind auf eine Viel­zahl von Ge­set­zen ver­teilt. Dazu ge­hö­ren etwa das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz und die Na­tur­schutz­ge­set­ze der Län­der, das Bun­des-Bo­den­schutz­ge­setz, das Bun­des-Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz, das Che­mi­ka­li­en­ge­setz, das Kreis­lauf­wirt­schafts­ge­setz, das Ge­setz über die Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und das Was­ser­haus­halts­ge­setz sowie die Was­ser­ge­set­ze der Län­der. Hinzu kom­men Rechts­ver­ord­nun­gen des Bun­des und der Län­der sowie eine Viel­zahl von Richt­li­ni­en und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten mit fach­li­chen Aus­füh­rungs­hin­wei­sen. Dar­über hin­aus spie­len auch das EU-Recht und die dazu er­ge­hen­de Recht­spre­chung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs und der deut­schen Ge­rich­te eine wich­ti­ge Rolle.

Das Um­welt­recht ist aber nicht nur be­deut­sam, weil es über die Rea­li­sie­rung oder Ver­hin­de­rung eines Vor­ha­bens ent­schei­den kann. Viel­mehr ist es auch des­halb zu be­rück­sich­ti­gen, weil eine Ver­let­zung um­welt­recht­li­cher Vor­schrif­ten zu emp­find­li­chen Fol­gen – von den An­ord­nun­gen von Be­triebs­ein­stel­lun­gen und Nut­zungs­un­ter­sa­gun­gen über er­heb­li­che Haf­tungs­ri­si­ken bis hin zu straf­recht­li­cher Ver­fol­gung – füh­ren kann.

Im Be­reich des Um­welt­rechts ist un­se­re Kanz­lei seit mehr als 25 Jah­ren schwer­punkt­mä­ßig tätig. Un­se­re Auf­trag­ge­ber sind zu­meist Zu­las­sungs­be­hör­den, Ge­mein­den, Vor­ha­ben­trä­ger oder sons­ti­ge Un­ter­neh­men un­ter­schied­li­chen Zu­schnitts – von Hand­werks­be­trie­ben bis zu DAX-30-Un­ter­neh­men. Da das Um­welt­recht einen der Schwer­punk­te un­se­rer Kanz­lei dar­stellt, waren und sind wir hier häu­fig als Vor­rei­ter an Ver­fah­ren be­tei­ligt, die rechts­grund­sätz­li­chen Cha­rak­ter haben. Als Bei­spie­le sind etwa die Ver­fah­ren zu wie­der­keh­ren­den Bag­ge­run­gen in der Ems (EuGH, Ur­teil vom 14.01.2010 – Rs. C-226/08 –, Slg. 2010, S. I–131), zur Elb­ver­tie­fung (BVerwG, Ur­teil vom 09.02.2017 – 7 A 2.15 –, BVerw­GE 158, S. 1–142), zum Aus­bau der Außen- und Un­ter­we­ser (EuGH, Ur­teil vom 01.07.2015 – Rs. C-461/13 –, NVwZ 2015, S. 1041–1046; BVerwG, Ur­teil vom 11.08.2016 – 7 A 1.15 –, BVerw­GE 156, S. 20–59), zum Kraft­werk Moor­burg (EuGH, Ur­teil vom 26.04.2017 – Rs. C-142/16 –, NuR 2017, S. 393–397; BVerwG, Ur­teil vom 29.05.2018 – 7 C 18.17 –, NuR 2018, S. 694–698) oder zur Ha­fen­er­wei­te­rung in Ham­burg zu nen­nen, in denen wir die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bzw. die zu­stän­di­gen Lan­des­be­hör­den oder den Vor­ha­ben­trä­ger u.a. vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ver­tre­ten haben. In die­sen Ver­fah­ren hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof bzw. das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ele­men­tar be­deut­sa­me rechts­grund­sätz­li­che Fra­gen ge­klärt, die sich im Zu­sam­men­hang mit der Aus­le­gung und An­wen­dung der FFH-Richt­li­nie, der Was­ser­rah­men­richt­li­nie bzw. der diese Richt­li­ni­en um­set­zen­den deut­schen Rechts­vor­schrif­ten stell­ten.