E-GO­VERN­MENT

ÖF­FENT­LI­CHES RECHT

E-Go­vern­ment ist kein Rechts­ge­biet, son­dern ein Phä­no­men, das in immer grö­ße­rem Maße in un­se­re Ver­wal­tung und unser All­tags­le­ben Ein­zug hält. Die Grün­de hier­für sind viel­schich­tig. Eine Ur­sa­che liegt in der De­mo­gra­phie, ins­be­son­de­re dem Um­stand, dass immer mehr Men­schen die länd­li­chen Räume ver­las­sen, was ten­den­zi­ell zur Schlie­ßung klei­ner Ver­wal­tun­gen führt. Ein an­de­rer An­lass sind die Ef­fek­ti­vie­rungs­po­ten­zia­le, die eine Di­gi­ta­li­sie­rung von Akten bil­det, etwa weil diese auf Knopf­druck nach Stich­wor­ten durch­sucht wer­den kön­nen. Schließ­lich wird E-Go­vern­ment auch be­güns­tigt durch be­stimm­te Be­stre­bun­gen der EU, wie etwa zur Schaf­fung so­ge­nann­ter one-stop-shops, also von Schal­tern, bei denen An­trä­ge für be­lie­bi­ge Be­hör­den ent­ge­gen­ge­nom­men und elek­tro­nisch an diese wei­ter­ge­lei­tet wer­den.

Der zu­neh­men­de Ein­satz di­gi­ta­ler In­stru­men­te in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung wirft viel­fäl­ti­ge Rechts­fra­gen aus zahl­rei­chen Rechts­ge­bie­ten auf. Dies be­ginnt damit, ob und in wel­chem Maße aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den ge­setz­li­che Er­mäch­ti­gun­gen für die Ein­füh­rung von E-Go­vern­ment er­for­der­lich sind. Es setzt sich fort bei Fra­gen, wie ge­setz­li­che Schrift­for­mer­for­der­nis­se ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen und ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen man Bür­ge­rin­nen und Bür­gern die Nut­zung di­gi­ta­ler Zu­gangs­mög­lich­kei­ten ab­ver­lan­gen kann. Wei­ter geht es mit As­pek­ten des Da­ten­schut­zes und der recht­lich ge­bo­te­nen Stan­dards an Da­ten­si­cher­heit. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn die öf­fent­li­che Ver­wal­tung für die Er­fül­lung be­stimm­ter Auf­ga­ben – etwa die Di­gi­ta­li­sie­rung von Per­so­nal­ak­ten – auf pri­va­te Dienst­leis­ter zu­rück­grei­fen will. Die Zu­sam­men­ar­beit mit die­sen setzt zudem auch be­son­de­re Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen im Ver­ga­be-, Bei­hil­fen-, Ge­sell­schafts- und Ver­trags­recht vor­aus. Ein we­sent­li­ches Pro­blem be­steht hier darin, Kon­zep­te zu ent­wi­ckeln, bei denen die Schaf­fung von Rechts­si­cher­heit in einem Feld nicht dazu führt, recht­li­che Ri­si­ken in an­de­ren Be­rei­chen zu schaf­fen oder zu er­hö­hen. Die Fä­hig­keit zur Iden­ti­fi­zie­rung der­ar­ti­ger In­ter­de­pen­den­zen ist daher eine wei­te­re not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für eine fach­kun­di­ge Rechts­be­ra­tung in die­sem Be­reich.